CHRIS LARSON

HEAVY ROTATION

THE VIEW widmet das zweite Ausstellungsprojekt dem amerikanischen Künstler Chris Larson. Mit der Präsentation seiner neuen, eigens für diese Ausstellung entstandenen Videoarbeit Heavy Rotation, den Filmen Crush Collision (2006) und Deep North (2008), mit Fotografien, Zeichnungen und Kulissen der Filmsets gibt er einen umfassenden Einblick in sein vielfältiges Schaffen.
International bekannt wurde der 1966 in St. Paul, Minnesota geborene Chris Larson durch archaische Objektkonstruktionen und surreale Videoerzählungen. Als motivisches Leitthema erscheinen hölzerne Maschinerien, die wie Erfindungen Leonardo da Vincis, mittelalterliche Folterinstrumente oder Relikte einer vergangenen Epoche anmuten.

In Chris Larsons neuer Videoarbeit Heavy Rotation, die im historischen Wasserreservoir gezeigt wird, erklärt sich der Künstler zum Protagonisten der Handlung. Die Filmkulisse, von Chris Larson erdacht und gebaut, erstreckt sich über drei übereinander liegende Räume in einer nicht näher definierten Architektur. Durch das Auge der Kamera blickt der Zuschauer in das Atelier des
Künstlers, der in Anlehnung an die Rotation eines Plattenspielers kontinuierlich Kreise auf ein Papier zeichnet. Mit großer Vehemenz und obsessiver Selbstvergessenheit wird die Bewegung anhaltend wiederholt, um letztlich zu einer Perforation von Papier und Boden zu führen. Chris Larson steigt durch das entstandene Loch in den darunterliegenden Raum und beginnt seine Sisyphos-Arbeit von Neuem.

Im Militärschutzbunker, einem neu hinzu gekommenen Ausstellungsraum von THE VIEW, verknüpft Chris Larson in einer medialen Gegenüberstellung zwei historische Ereignisse, die sich im texanischen Ort Waco zugetragen haben. Zum einen zeigt er mit Waco Siege ein Holzmodell jenesGebäudekomplexes, der 1993 als Schauplatz eines Massenselbstmordes für weltweite Schlagzeilen
gesorgt hatte. Zum anderen reflektiert er mit dem Film Crush Colli ssion den 1890 in Waco als Happening geplanten Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge, der sich in eine Katastrophe mit vielen Opfer verwandelte.


Im Zivilschutzbunker zeigt Chris Larson die Videoarbeit Deep North. Auch hier entzündet sich das Geschehen zwischen Ahnung und Zweifel. Drei junge Frauen bewegen mit einer gewaltigen hölzernen Maschine Eiszylinder durch das Innere eines Holzhauses, das wie in Eile verlassen erscheint, als habe das Förderband vom Raum Besitz ergriffen und eine neue Eiszeit begonnen. Chris Larson kommentiert mit seinen Arbeiten industrielle Produktionsverfahren und greift visuell auf archaische Bildwelten zurück. Dabei konfrontiert er uns mit unerklärlichen Vorgängen und konterkariert so die auf Produktivität, Effizienz und Rationalität angelegte Rhetorik des Informationszeitalters.