Die Werke von Stefan Bircheneder erzählen Geschichten von Industrieorten. In fotorealistischer Manier ahmt er malerisch jedes noch so kleine Detail nach, mischt Farbe bis es täuschend echt nach Rost aussieht, baut Kästen aus Leinwänden, die dann zu Maschinenräumen werden und mit ein paar verstreuten Glasscherben zu Trompe-l'œils – Augentäuschungen – werden. Er beherrscht die Industrieästhetik in Perfektion, umso erstaunlicher ist es, dass der Künstler viele Jahre als Kirchenmaler und -restaurator gearbeitet hat. Während die Sujets unterschiedlicher nicht sein könnten, profitiert er von der filigranen Arbeitsweise und der Kenntnis über Materialität.

Ihn interessiert die Arbeitswelt von damals, die auch von einem anderen Weltbild geprägt wurde – in der die Digitalisierung noch nicht den Menschen ersetzt hat. Die Orte besucht der Künstler selbst, schaut sich alle Details an, selbst wenn die Gebäude gefährlich nahe am Einstürzen sind und macht sich Fotografien als Gedächtnisstütze. Dabei interessieren den Künstler die Ausschnitte, die erst im Atelier zu einer Gesamtkomposition zusammengesetzt werden. Viele seiner Motive findet er dabei bei seinen Besuchen rund um Ostdeutschland und skizziert damit auch den Umbruch von der industriellen Produktion hin zur maschinellen und letztendlich digitalen Wende.

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Treuhand, 2014

Öl/Acryl auf Leinwand
Stahl, Kabel
200 x 200 x 200 cm