Dierk Maass

Betrachtet man die Wortbedeutung von „Fotografie“ näher wird schnell ersichtlich wie essentiell Licht für die künstlerische Praxis ist. Das Wort mit griechischen Wurzeln kommt von phōs  Licht und graphein zeichnen, lässt sich also mit „zeichnen mit Licht“ übersetzen. Auch in den Werken von Dierk Maass spielt das Licht eine wesentliche Rolle. Ob durch Überbelichtung bei den Serien Incident° of' Light'', in den Leuchtbildern, die mit dimmbaren LEDs versehen zu unterschiedlicher Lichtstimmung fähig sind oder durch das Einfangen einer bestimmten Beleuchtungssituation wie in der Shades° of' Dolpo" Serie.

Die Werke von Dierk Maass entstehen während seiner Reisen, oder vielmehr Expeditionen – denn hier ist Komfort nicht das Leitmotiv, sondern die Neugierde auf das Unbekannte wird zur treibenden Kraft. Dabei besucht er die entlegensten Orte: die Anden, Grönland, die Alpen oder das Himalaya Gebirge. In den letzten 30 Jahren konnte er so über 60 Gipfel in der Top-Liga der Gebirge, 6000 und 8000 m Höhe, besteigen. Diese körperliche Anstrengung wird mit den Entdeckungen von Orten belohnt, an die kaum sonst jemand kommt. Die Werke von Dierk Maass erzählen Geschichten von Neugierde, Einsamkeit, Entdeckung, der körperlichen Anstrengung, des Durchhaltevermögens und der Lust in eine unvertraute Natur einzutauchen. Er lädt den Betrachter ein, in den Bildern mit ihm die Reise erneut zu erleben und fängt eine noch unberührte Natur ein, wie wir sie kaum noch kennen.

Wir leben in einer Zeit in der wir von Bildern übersättigt sind und uns als Betrachter dennoch fragen müssen, was davon wirklich real oder was am Computer entstanden ist. Dierk Maass geht den steinigen Weg, macht sich auf die Reisen, setzt sich der Witterung aus. Seine Bilder sind nicht digital manipuliert, sondern Zeugen einer unmittelbaren Auseinandersetzung des Künstlers mit der Natur. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Werke eine solche Präsens ausstrahlen. Die Werke verorten sich in unsere Zeit und diese Verortung ist auch wortwörtlich zu nehmen, der Titel gibt die GPS Koordinaten der Entstehungsorte wieder.

Text: Anabel Roque Rodríguez